Das grosse Fressen – Ein Rant

Die Tötungsmaschinerie zum "Fest der Liebe" ist voll am laufen... Und keiner schaut hin...
Die Tötungsmaschinerie zum “Fest der Liebe” ist voll am laufen… Und keiner schaut hin…

Tja, der Fellini Film über eine dekadente Gruppe die sich – in dem Fall bewusst – zu Tode frisst ist ein guter Titelgeber für diesen Beitrag. Mir wird nämlich schlecht. Schlecht, wenn ich die vielen Inserate von Migros, Coop und Co sehe in denen die Yule- bzw. Weihnachtszeit mit fleischbasierten Fressgelagen und der damit verbundenen Glücksseligkeit in Verbindung gebracht werden. Da werden diese Geschäfte, die das ganze Jahr über einen auf “wir sind Bio und nachhaltig und fördern Gesundheit” dahinlabern plötzlich ganz konservativ wieder zu umsatzorientierten Verkaufsmonstern die schamlos ein längst überholtes Bild propagieren um ihre Metzgereiumsätze ja nicht einbrechen zu lassen in dieser ach so heiligen Fresszeit….

Es stimmt: unsere Vorfahren trugen über die Yuletage alles zusammen das sie zu den Festtagen entbehren konnten, darunter auch die wertvollen Fleischvorräte, und gejagt wurde auch, aber damals war Fleisch noch besonders und heilig.

Auch auf die Gefahr hin alt zu klingen: für mich als Kind und sogar noch als Jugendlicher war der Festbraten zu Weihnachten (und an anderen Feiertagen) etwas besonderes und das Wiener Schnitzel das meine Oma zubereitete ein Traum auf den ich mich immer wieder freute.

Aber zu dieser Zeit gab es auch nicht jeden Tag gebratenen Kadaver auf dem Teller, wurden Fleisch und Tier ebenso noch als etwas lebendiges, besonderes erachtet und der hohe Preis dafür war gerechtfertigt und machte diese Anlässe zu etwas besonderem. Aufgrund dessen stammte das Fleisch auch selten aus Zuchtanlagen und in Tötungsmaschinerien gemetzeltem Tierleid, sondern vom Bauern, was sich eben auch im Preis ausdrückte

Heute?

Hat der massive, seelenlose Fleischkonsum die Massen wohl abgestumpft und gefühllos gemacht (ausser es geht um so wichtige Fragen wie das neue Betriebssystem oder wer grad was unwichtiges macht), wie man an den vielen ekelerregenden Kommentaren diverser vollinformierter “Intelligenzbestien” ablesen kann, die sich in Beiträgen von Peta oder anderer Tierschützer zynisch bis ordinär, in jedem Falle geistlos auslassen und dabei ihre mangelnde Empathie verletzend durch die Kommentarfunktionen ins Internet erbrechen.

Zeitgeist? Zeitgeist!

Ja, ich lasse mich nun auch aus und das mal nicht auf die nette Art, denn ich kann es nicht nachvollziehen das man heutzutage jeden Mist akzeptieren und mit Licht und Liebe absegnen sollte (Spiritual Correctness als pendent zur Political Correctness und beides letztlich giftig in der falschen Dosis).

Denn Veränderungen – auch und vor allem zum Besseren – wurden nie dadurch erzielt das jeder den Mund hielt (“es wird schon besser werden”, “die Liebe wird so oder so siegen”, etc…). Im Gegenteil. Immer alles hinzunehmen führte historisch zu den schlimmsten menschlichen Katastrophen und sogar Kriegen die keiner wollte… Denn Gleichgewicht kann es nur geben wenn alle Beteiligten ihre Argumente in die Waage werfen und nicht nur eine Seite…

Ich wünsche niemandem schlechtes der sich so gedankenlos aber zutiefst verletzend gegen Vegetarier, Veganer oder einfach bewusstere Menschen auslässt, aber diese dummen Sprüche die da immer wieder aufgefahren werden (Vegetarier essen dem essen das Essen weg, Pflanzen schreien auch, Vegetarier sind schuld das so viel abgeerntet wird, usw.) die dann auch noch provozierend oft das Tier herabwürdigen (Nutztier, Schlachtplatte, hat kein Recht, ist nur da um gefressen zu werden, etc…..) sind einfach eines Menschen mit der Möglichkeit zur Information nicht würdig…

Und zeigen von einer Herzlosigkeit die – auch wenn das so mancher jetzt noch nicht wahr hat – irgendwann ihren Tribut fordern wird…

Ich werde hier jetzt auch nicht hunderte wissenschaftlich fundierte Links vernetzen, da es sowieso nichts bringt. Jeder kann nachforschen und die Tatsachen nachlesen – wenn er nur will und nicht in seiner künstlichen und bequemen Realitätsblase bleiben möchte.

Und ich möchte auch nicht alle Fleischesser in einen Topf werfen, denn mir geht es nicht darum das mein kein Fleisch mehr isst (ich mache das zwar nicht mehr, aber es ist eine persönliche Entscheidung – und ich bin auch dankbar dafür das Privileg zu haben hier wählen zu können und zu dürfen), sondern einfach das man wieder mehr Respekt etabliert. Für jene die sich den Arsch aufreissen oder persönliche Schritte ergreifen, das die Welt nicht vollends in den Abgrund segelt, und für das Tier das unter grausamen Bedingungen “lebt” und stirbt damit man sich den Bauch vollschlagen kann.

Denn wir sind hier längst nicht mehr im Jägerzeitalter und jede Jersey Shore geschminkte Teenager-Furie die sich in Kommentaren geistlos auf RTL Niveau über Vegetarier auslässt sollte mal ihre manikürten Fingernägel selber im Schlachthaus schmutzig machen und dann weiter Ekel- und Hasskommentare gegen Tiere und Tierschützer absetzen. Das gilt übrigens auch für so manchen Obermacho-Macker der die dicke Lippe schwingt und sich aufwertet indem er fleischlose Ernährung, Vegetarier/Veganer und das Leben eines Tieres an sich abwertet. Ich bin sicher nur wenige würde dann noch so respektlos bleiben.

Und das führt mich wieder zurück zum Coop und Co. die das Jahr über einen auf “bewusst” machen und dann vor Weihnachten die volle Fleischpalette werbetechnisch auffahren. Von der Stopfleber bis zu Crevetten. Nur Fleisch macht die Festtage zu Festtagen.

Würg!

Ja, wenn es ansonsten eben nicht so alltäglich geworden wäre, dann könnte man das mit Abstrichen so stehen lassen. So aber wird die Zucht und Tötungsmaschinerie auf Hochbetrieb gestellt damit das “Fest der Liebe” mit dem Endresultat aus Leid und Schmerz zelebriert wird. Und es ist eben bei weiterem nichts besonderes mehr, sondern nur ein bisschen Aufwand mehr (ohje der Braten muss aufgrund der Nachfrage vorbestellt werden, was für eine Anstrengung)…

Fröhliche Vorweihnachtszeit und guten Appetit…

Dieser Beitrag wurde von unzähligen, sich gerade im Umlauf befindlichen Kommentaren und Meldungen inspiriert. Insbesondere von einem Peta Posting in dem man darauf hinwies, dass das Tier hinter dem Fleisch auch ein würdiges Leben verdient und das zahllose wirklich geistlose, eklige, provokante, dumme und verletzende Kommentare nach sich zog die eine Gesellschaft spiegeln, die auf mehreren Ebenen abgestumpft scheint…

Und natürlich von den zahllosen Prospekten die gerade im Briefkasten landen und die einem weismachen wollen, das nur Fleisch auf dem Teller die Feiertage zu etwas besonderem macht… 

Wieder Veggie

VeggieSo, ab heute ist es wieder soweit. Wie meine langjährigen Freunde wissen war ich mehrere Jahre lang Vegetarier bevor ich 2002 wieder damit begann gelegentlich Fleisch zu essen und zwar überwiegend aus deklariertem Bio- und Freilandfleisch. Doch damit ist jetzt wieder Schluss, denn ich habe mich entschlossen nun wieder vegetarisch zu leben. Und das aus mehreren Gründen wobei einer davon sicher die immer noch erbärmliche Haltung der Tiere ist und mein mangelndes Vertrauen in die diesbezüglichen Deklarationen des Handels.

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