Das Ende einer langen Lesereise: Good bye Midkemia

Ich war schon lange nicht mehr von einem Buch so emotional berührt das ich in den letzten Kapiteln Rotz und Wasser heulte: vor Aufregung, vor mitempfundenen Leid aber zuletzt auch vor Rührung und Freude. “Magicians End” – der letzte Roman der grossartigen und langen Fantasy Sage um Midkemia vollbrachte dies und trumpfte gleichzeitig mit einem Finale kosmischen Ausmasses auf, denn letztlich stand nichts anderes auf dem Spiel als das Universum, das Sein selbst. Die logische Konsequenz die sich schon über die letzten Chroniken hin abzeichnete. Raymond E. Feist hätte seine epischen Finalepisoden der letzten Sagen auch gar nicht anders toppen können….

Als mich meine Freundin Elli vor vielen vielen Jahren auf den Roman “Magician / Der Lehrling des Magiers” den Beginn einer Fantasy Saga aufmerksam machte konnten weder sie noch ich wissen das

a) ich dieser intelligenten, herzlichen, epischen, magischen, spannenden, ergreifenden Serie verfallen und mich in die Romane, die Charaktere und die Welt verlieben würde (O.K. Elli war mir da voraus und ahnte es wohl, da sie meinen Geschmack kannte)

und

b) das sie, Elli, die Handlung selbst mangels englisch vorerst nicht fertig erleben können würde, da der deutsche Verlag (eine Schande und Frechheit sondergleichen) einfach aufhören würde die Bücher zu übersetzen und aufzulegen…

magiciansendcoverDen Göttern sei Dank ist mein englisch super und ich konnte dann einfach umsteigen und im Original weiter lesen. Es hätte mich auch furchtbar gereut hätte ich die letzten Kapitel dieses Epos verpasst. Allerdings wartete ich nun fast ein Jahr bis nach der Veröffentlichung, bis ich “Magicians End” endlich zur Hand nahm (runtergeladen war es gleich nachdem es auf den Markt kam), denn ich wusste es würde das Ende einer langen und aufregenden Reise sein und ich wollte es so lange als möglich hinaus zögern.

Während meiner Grippe besuchte ich Midkemia dann ein letztes Mal und war von Neuem emotional gefesselt und begeistert von der Art und Weise wie Raymond Feist alles elegant zum Abschluss brachte, wie hochintelligent und aktuell der Autor den Aufbau von Realitäten, Parallelwelten, Göttern, Drachen, Elfen, usw. gestaltete und wie sehr sich seine Sicht der Welten/Realitäten mit der meinen deckt. Ich glaube fast, dass einigen amerikanischen Lesern einiges zu komplex wurde (das zeigen die Reviews) was für mich (und viele andere) total logisch wirkte. Elli hätte ihre grosse Freude daran und ich hoffe sie kommt einmal in den Genuss von deutschen Übersetzungen.

“Magicians End” verknüpfte die einzelnen Sagen (Riftwar, Serpentwar, Conclave of Shadows, Darkwar, Demonwar, Chaoswar) inklusive der vielen Chroniken welche Seitenhandlungen aufgreifen (Krondor, Kelewan, etc…), hervorragend und liess einiges Revue passieren, wie es sich für einen Abschluss gehört.

Ich kann wirklich nicht genug betonen wie fasziniert und begeistert ich von diesem Meisterwerk bin, vom ersten bis zum letzten Roman. Jede der Hauptchroniken hatte für sich schon immer wieder ein Finale bei dem man sich fragte: “Wie kann Feist das dann noch toppen” und wie gesagt: es war fast logisch dass es am Ende um die reine Existenz der Realität(en) und des Bewusstseins gehen würde. Ich hatte noch darüber gescherzt, vor Jahren, und war jetzt dann gleichwohl atemlos und durchgerüttelt als sich meine sarkastische Vision von einem Abschlussthema dann sogar als real herausstellte.

Klar, es gab auch immer ein paar Längen und vor allem das Strategische und Politische erschien mir gelegentlich ein wenig zäh (aber letztlich notwendig), jedoch erreicht dies niemals die Längen eines “Game of Thrones”. Und der fantastische Aspekt ist hier massiv höher und kraftvoller….

Ja, ich mag nicht viel über die Handlung erzählen. Das kann man im Netz erlesen, aber ich mag abschliessend bemerken, das ich hin- und weg bin und mir sogar überlege, noch mal von vorne anzufangen. Ich habe im letzten Kapitel geschluchzt wie selten zuvor beim lesen und war absolut happy darüber, wie der Kreis zum allerersten Band sich hier stimmig schloss.

Pug, Nakor, Miranda, Magnus, Thomas, Jimmy, Crydee, Roldem, Krondor, Kesh, und und und…. ich werde Euch und die Welten vermissen und hoffe das Feist den Weg irgendwann einmal wieder nach Midkemia finden wird. Er schliesst es jedenfalls nicht aus, schreibt aber gerade an einer völlig neuen, von “Game of Thrones” inspirierten Fantasy, die nächstes Jahr erscheinen soll.

Und natürlich werde ich dabei sein, so nix dazwischen kommt….

http://midkemia.wikia.com/
http://de.wikipedia.org/wiki/Midkemia
http://de.wikipedia.org/wiki/Raymond_Feist