Mehr drinnen als draussen

hermitdionysos Diese Woche war Montags ein Videojournalist von CH-TV bei mir im Laden, da dort so in etwa 2 bis 3 Wochen ein kleiner Beitrag über mich und die Zwischenwelt laufen wird. Wir unterhielten uns natürlich auch so noch ein bisschen und zum Schluss erwähnte ich, das ich eigentlich ausserhalb des Ladens eher so ein bisschen zurückhaltend bin wenn es um “soziale Kontakte” geht. Oder wie man so gut sagt, im Privaten sogar ein wenig schüchtern. Das wollte er mir aufgrund meines Auftretens fast nicht glauben und doch entspricht es der Realität. Nicht das ich ein Eremitendasein lebe oder keine Freunde hätte, im Gegenteil, ich bin gesegnet diesbezüglich, aber gleichwohl bin ich privat nicht so “draufgängerisch” oder extrovertiert wie es manche erwarten würden …

Schon zu meiner Zeit als aktiver DJ und Veranstalter dachten – wie ich später erfuhr – einige das ich sicher arrogant sei, da ich – wenn ich nicht gerade tanzte oder auflegte – immer so ein wenig im Hintergrund blieb und nicht unbedingt viel Kontakt suchte, auch wenn ich während meiner Arbeit aufblühte und in ihr voll aufging, was nach Aussen hin ein ganz anderes Bild projizierte. Es verwunderte mich schon damals wie das Menschen einfahren kann wenn man eine “Bühnenpersönlichkeit” hat die ja alle sehen, und sie die dann auch mit dem Privaten gleichsetzen. Und wie sie es werten wenn man sich dann nicht so verhält wie es aufgrund dieses “Bildes” dann auch privat erwartet wird.

Bühnenpersönlichkeit in diesem Sinne habe ich schon lange nicht mehr (und eigentlich war es auch damals keine, denn auch mein ausgelassenes und offenes Ich ist ein Teil von mir der so einfach öffentlich gelebt wurde), denn ich bin in meiner Öffentlichkeitsarbeit sehr offen und – wie ich glaube – auch in meiner Tätigkeit einfach so wie ich bin (mit allen Ecken und Kanten). Dennoch gehe ich selten aktiv auf andere zu und auch kaum mehr in Ausgang, den ich aber eigentlich nicht vermisse. Wenn man beruflich so viel mit Menschen zu tun hat und dies auch liebt, schätzt man zwischendurch die Zeit allein bzw. mit dem Partner, einfach um wieder zu sich zu kommen.

Allerdings ist es mir auch hier schon aufgefallen, dass dieser Umstand oft von aussen anders bewertet wird und manche Menschen glauben man habe kein Interesse, oder sie es einfach falsch werten wenn man einfach sagt das man gerne zu Hause (oder in der Natur) sein möchte und um Verständnis bittet wenn man eingeladen wird. Das ist auch dem Umstand zu schulden, dass man als Selbstständiger – der auch Abends manchmal Kurse gibt – schlicht die wenige Zeit die einem bleibt eben oft nur in der Nähe verbringen möchte um aufzutanken. Oder lesen. Oder spielen. Meditieren oder auch nur mal in Ruhe Musik hören, oder……

Ich denke das jeder Mensch der “gspürig” oder gar empathisch ist Momente für sich braucht. Das “Eremitendasein” in der Freizeit öfters dem Trubel vorzieht. Das heisst aber nicht das man das Soziale nicht schätzt. Im Gegenteil. Nur eben, dass man vieles davon bereits innerhalb seiner Tätigkeit (aus-)lebt.

Sicher gibt es auch Momente wo ich gerne etwas in diese Richtung unternehmen würde, doch oft ist das mit dem Aufwand verbunden irgendwo hinzufahren und vor allem dann auch wieder zu später Stunde nach Hause zu fahren. Dieses Wochenende zum Beispiel wären wir zu einem Fest nach Zürich eingeladen wo wir sicher zusagen würden, wäre es in Luzern. Aber eben… Zürich ist nicht gerade um die Ecke….

Ich habe ja mal gehört oder gelesen, das sich das zum Midlife manchmal wieder ändert. Aber eigentlich bin ich da ja schon mitten drin (ohne Krise) und bis jetzt treibt es mich immer noch nicht wieder in Bars oder auf Parties *grins*

Lange Rede kurzer Sinn und die banale Weisheit aufs Wochenende: Ich bin ich und das ist gut so denn wäre es anders wäre ich nicht ich 🙂 … Vielleicht tritt ja dennoch auch irgendwann wieder mal der dionysische Aspekt in den Vordergrund. Derzeit jedoch geniesse ich es so wie es ist 🙂