Die Sache mit den Göttern (ein kurzer und persönlicher Erklärungsversuch)

bookofshadowsjudgment

Ich muss immer ein wenig schmunzeln wenn es heisst: “Ihr Wiccas betet ja alte Götter an” und “Ihr seid ja auch nicht besser als die Katholiken und ihre Heiligen mit Eurer Götterverehrung”. Von Seitenhieben verbissener Atheisten schreib ich jetzt besser gar nicht. Nun, ich kann zwar nicht für alle sprechen sondern nur aus meiner Lern- und Erfahrungswelt, aber aus dieser heraus kann ich mit ruhigem Wissen behaupten, dass dieses Vorurteil bescheuert ist. Natürlich arbeiten “wir” mit den Göttern unserer Ahnen, deren Archetypen und Prinzipien auch in der heutigen Zeit nichts an Aktualität und Kraft verloren haben. Aber wir beten sie nicht an sondern wir kommunizieren mit ihnen und somit mit der Göttlichkeit im Innen, mit dem Gott und der Göttin deren Wesensanteile auch in uns leben, Teil von uns sind, die Natur sind, das Leben sind! Unsere Gottheiten sind auch nicht statisch und unveränderbar, sie wandeln mit der Zeit und doch bleibt ihre Essenz klar. Abgesehen davon zeigt die Geschichte, dass die heidnischen Gottheiten sich schon früher über die Zeiten und Bedürfnisse hin jenen der Menschen anpassten bzw. angepasst wurden. Es mag für jene die sich nicht  oder nur oberflächlich mit der Materie auseinandersetzen schwer zu fassen sein, dass das Göttliche in seinen Facetten für “uns” im Innen angesiedelt und dennoch auch im Aussen persönlich erfahrbar ist.

 

Wer oft in der Natur unterwegs ist, bekommt mit Sicherheit mit, welche lebendigen Kräfte hier am wirken sind (ausser er quatscht dauernd oder konzentriert sich auf Handy oder PC und konsumiert sie somit nur) und jene die meditieren oder mittels schamanischer oder individueller Praktiken auf Reisen gehen, denen ist sowieso klar, dass jede Manifestation die in der Anderswelt erfahren werden kann lebt, interagiert und oftmals sogar einen eigenen Willen hat. Doch ohne Resonanz zum Reisenden wird auch hier nicht viel passieren und selbst wenn diese Resonanz gegeben ist wird das Erleben durch den passenden Bewusstseinsfilter gesiebt.

Wenn ich zu einer Gottheit bete, dann danke ich ihr für ihr Wesen, ihre Lehren, ihren Beistand, ihren Ausdruck in der Welt. Doch dieser Beistand und dieses Gebet sind kein Abgeben von Verantwortung an eine “höhere Macht”, sondern ein lebendiger Teil von mir selbst der sich ausdrückt und/oder aktiviert werden will. Alles ist Göttin und alles ist Gott und alles ist ein steter, sich wandelnder Prozess der auf den uns bekannten Gesetzmässigkeiten beruht und mit Sicherheit noch auf vielen anderen die wir im Laufe der Zeiten noch herausfinden werden.

Ich kann und mag hier keine philosophische Abhandlung schreiben und es wäre zu aufwendig einen intensiven Erklärungsversuch zu starten, weshalb ich nun möglicherweise etwas oberflächlich und flott meine Wahrnehmung und Einstellung dazu niederschreibe, doch für mich ist es völlig normal dass Gott und Göttin in mir sind und leben und dennoch auch im Aussen wahrgenommen werden können und somit kontaktierbar sind bzw. mich kontaktieren können.

Ob sich diese Kommunikation nur zwischen meinen Ohren abspielt oder in Parallelrealitäten, Anderswelten, der Matrix oder wie andere zum “All Eins” sagen ist in diesen Momenten für mich nicht wichtig. Wichtig ist, dass ich lerne, liebe, lache, fühle, weine, kommuniziere, erfahre…… “bin”……. und mich in diesem Universum, in dieser Welt, in dieser Realität gestärkt fühle und eine lebendige, persönliche Beziehung zum Göttlichen aufbaue. Innen und Aussen, Oben und Unten. Aber ich bete die Götter und Göttinnen genauso wenig an wie ich als Wicca den Mond als Göttin oder Gott anbete (noch so ein Vorurteil). Der Mond ist für mich eine lebendige Kraft die dank des reflektierten Lichtes und seiner Phasen die Rhythmen und Zyklen des Lebens symbolisiert. Und wenn ich die Kraft des Mondes aufnehme und ziehe, dann geschieht dies auf einer Ebene die in diesem Moment real und spürbar ist. Und dann wird in diesem Moment der Mond zum Symbol für die Göttin (oder in einigen Kulturen auch den Gott).

Das es auch Wiccas gibt die diesen Weg mit fast katholischem Eifer gehen und das Göttliche vom Innen abtrennen und völlig ins Äussere verlagern, das gibt es. Aber dazu möchte ich jetzt einmal bewusst ganz diplomatisch nichts sagen ;). Da aber in der Lehre ganz bewusst festgelegt ist, das wir die Selbstverantwortung niemals abgeben sollten, auch nicht an “Götter”, spricht das ja eigentlich für sich. Und das ein Wicca auch der Wissenschaft und dem Fortschritt gegenüber offen ist und Mythen auch als solche versteht ist ebenso eine Tatsache… Alles andere wäre auch Realitätsflucht und das ist nicht das Ziel der Reise, auch wenn die Fantasie eine wunderbare Kraftquelle ist