Diese leidige Sehnsucht nach einem Untergang…

untergang

Ich werde öfters gefragt was ich von 2012 und den verschiedenen Daten zu verschiedenen Arten des Weltunterganges halte und werde oft ungläubig oder gar erschrocken angeschaut wenn meine Antwort: “Nichts” lautet. In der daraufhin folgenden Diskussion erlebe ich es dann nicht selten, das Menschen auf die Frage “Ja was denn, wenn nun wirklich nichts passieren sollte” erschrocken reagieren und in ihnen eine Sehnsucht nach einem “kollektiven Ende”, einer “kollektiven Katastrophe” oder einem “kollektiven Zusammenbruch” durchschimmert, die ich zwar verstehe, aber nicht nachvollziehen kann. Ich für meinen Teil habe schon mehrere Weltuntergangsdaten überlebt! Und das nicht nur 1999, oder 2001 (wohin sich der 99er dann verzog weil man sich angeblich verrechnet hatte). Gerade erst wurde wieder am 29.9. wegen eines Kometen der sich immer dann nähert wenn es irgendwo gewaltig rumpelt eine Warnung rausgegeben. Und am 29. Oktober liegt auch schon wieder etwas an. Es scheint so, als würden sich die vorhergesagten Fixpunkte zur Katastrophe oder deren Beginn im Wochentakt ablösen. Warum aber, sehnen sich so viele nach einem Untergang?

Meine Mutter zum Beispiel ist völlig überzeugt das die Welt am 21.12.2012 das Zeitliche segnen wird. Nun, vielleicht nicht die Welt, aber doch die Menschheit. Und sie wird wohl mehr erschüttert sein, wenn dann wirklich alles weiter geht wie bisher. Das hat sie fast so zugegeben. Doch sie ist bei weitem nicht die Einzige die eine grosse Hoffnung in “das Ende” zu setzen scheint und dabei ist sie in guter Gesellschaft. Mir ist auch völlig klar warum, doch ich weiss nicht ob sie meine Theorie teilen würde.

Auch letzte Woche war es wieder einmal Thema im Kollegenkreis und ich sah mich dazu angeregt mal ein paar Gegenfragen zu stellen, denn egal von welchem Untergangszenario die Rede ist, so scheint jede/r das Gefühl zu haben dann zu jenen zu gehören, die das alles nur beobachten und selbst nicht betroffen sind. Egal ob es sich um den totalen Finanzkollaps, oder eine alles verändernde Katastrophe handeln würde: das Leid, die Erschwernis bei heute alltäglichen Dingen, die Frage wie man dann sich selbst, seine Kinder oder auch Haustiere mit dem Nötigsten versorgt, worauf man bei einem Ausfall des Stroms verzichten muss… all das wird von einigen so gar nicht gesehen. Scheinbar glaubt doch so mancher an ein persönliches Wunder, sollte es dann irgendwie krachen.

Wenn es eine (globale) Katastrophe gibt, dann heisst das nicht automatisch das man sie nicht überlebt, während die Liebsten um einen sterben oder dahinsiechen. Und das ist beileibe keine schöne Sache der man – wie im Kino – einfach beiwohnt. Wenn die gesellschaftliche Ordnung völlig darniederliegt heisst es nicht automatisch dass das darauffolgende Chaos nur “den Anderen” passiert. Dann ist man mittendrin, und das scheinen viele Weltuntergangsromantiker zu vergessen, wenn sie in blumigen Sätzen von einem Weltuntergang “schwärmen”. Der Mensch wird nicht automatisch erleuchtet wenn die Strukturen brechen, und er wird schon gar nicht von einem Moment auf den Anderen zum “Gutmenschen” der – spirituell erhoben – seinen Überlebenswillen mit stoischer Ruhe und Hilfsbereitschaft auslebt.

Die Welt ist komplexer geworden. Wir nähern uns einem neuem Zyklus, denn die Ressourcen halten nicht ewig. Der Finanzmarkt kracht. Die Bevölkerungszunahme bringt schwer lösbare Herausforderungen mit sich. Umdenken ist gefragt und unerlässlich, doch dieser Prozess wird einige Zeit in Anspruch nehmen und die Katastrophen sollten eigentlich zu diesem Umdenken zwingen. Tun sie aber oft nur kurzfristig.

Viele sind wohl überfordert und denken, wenn die Welt untergeht, dann ist endlich Schluss mit dem Druck, dann wird einem die Verantwortung abgenommen weil alle ums Überleben kämpfen. Oder sie hoffen vielleicht gar darauf, dann wenigstens nicht alleine in die Anderswelt reisen zu müssen und begegnen so ihrer Angst vor einem einsamen Tod?

Eigentlich ist es ja nichts Neues das in schweren Zeiten Katastrophenszenarien besonders Aufmerksamkeit geniessen, egal ob im Kino oder im “echten Leben”. Aber dieses “erwischt ja dann eh die Anderen und nicht mich” Gehabe das so viele Menschen irgendwo mit diesen Szenarien verbinden, ist etwas das in diesem Wahn um den Weltuntergang bzw. 2012 enorm mitschwingt.

Manche werden ruhig, nachdenklich oder reagieren mit Unbehagen wenn man sie auf persönliche Konsequenzen nach einer möglichen Katastrophe anspricht. Vielleicht weil sie irgendwie gar nicht darüber nachdenken, was so eine wirklich mit sich bringt? Leid. Schmerz. Tod. Armut. Mangel. Und viele traurige Dinge mehr…! Übrigens – daran sollte man ebenso denken – sind all dies Dinge mit denen Menschen anderswo auch ohne Weltuntergang jetzt schon im Alltag zu kämpfen haben und wo sie Hilfe durchaus benötigen könnten!

Und obwohl 2012 und Co. (inklusive Folgedaten) sich weiterhin grosser Beliebtheit erfreuen werden und für die notwendige Angst sorgen mit der man so schön manipulieren kann, so sollten sich einige echt fragen, warum sie so “schwärmerisch” bzw. euphorisch auf diese Momente zu warten scheinen. Und dann das tun, was jeder normale Mensch tun sollte: jetzt Verantwortung übernehmen anstatt zu hoffen das sie ihm dann durch ein zerstörerisches Grossereignis abgenommen wird.

Was wenn ich mich irre? Wäre ja möglich. Wenn die Welt an einem der abstrusen Daten dann doch untergeht oder durch etwas gravierendes zum völligen Umbruch gezwungen wird?

Das beantworte ich ganz einfach: dann habe ich bis dorthin wenigstens ohne Angst im Jetzt gelebt. Hoffnung habe ich sowieso immer. Die muss bei mir nicht erzwungen werden. Wenn mir dann der Meteor auf den Kopf fällt oder der Boden unter den Füssen weggezogen wird, dann ist es so. Erstes geht wenigstens schnell. Letztes auch, aber wenn es mich nicht gleich treffen würde, dann stell ich mir die Folgezeit alles andere als “romantisch” vor.

Leute, verändert doch jetzt was man verändern kann. Wartet nicht auf 2012, denn wenn dann nix passiert, dann kommt sicher das nächste Datum auf das man sich ausreden kann um jetzt nix zu tun. Und so geht es von einer Krise in die Nächste und der Umbruch verzögert sich. Ein Umbruch an dem jeder im Hier und Jetzt bereits auf seine Art mitwirken kann. Der keinen plötzlichen Weltuntergang braucht und wo man jetzt schon nett und respektvoll zu Mitmensch, Tier, Natur und dem Leben an sich sein könnte….

Eine Antwort auf „Diese leidige Sehnsucht nach einem Untergang…“

  1. “Was wenn ich mich irre? Wenn die Welt dann doch untergeht oder durch etwas gravierendes zum Umbruch gezwungen wird?”

    Dann schreibst am Tag danach einen Blogartikel, indem Du auf diesen hier hinweist und den anderen Recht gibst 😉 Das wäre dann wahre Grösse 🙂

    Arrrrrr,
    Patric