Mein Review zu “Battlestar Galactica”:

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Kennt Ihr das leicht melancholische Gefühl das sich einstellt, wenn man ein Buch zu Ende gelesen hat das einen völlig fesselte, dessen Dramatik und Handlung Euch in den Bann zogen und dessen Protagonisten einem so richtig ans Herz wuchsen? Mit Sicherheit. Dieses im TV bei mir eher seltene Gefühl stellte sich nun für einmal im Rahmen einer Fernsehserie ein, die ich nun zu meinem bisherigen “Liebling aller Zeiten” erkläre: der hervorragenden Science Fiction Saga “Battlestar Galactica” in ihrer Remake Variante, die sich nur lose an das trashige 80er Original anlehnt. Gestern bewegte ich mich emotional gerührt durch das dreiteilige Finale “Daybreak” und ein lachendes sowie ein weinendes Auge sahen das Ende einer Reise und damit einer Serie, deren Handlungsbogen bis zuletzt von flotten Twists und anderen Überraschungen durchzogen blieb…

Es war eigentlich eine Spontanidee, mir das “Kampfstern Galactica” Remake komplett aus England auf BluRay zu bestellen. Während der regulären Fernsehausstrahlung sprach mich die Serie nicht gross an und der wiederholte Versuch mittendrin einzusteigen misslang aufgrund der Handlungskomplexizität. Ein Blick in die Pilotfolge liess meine Neugierde dann doch etwas steigen und so griff ich dann via Amazon England schliesslich zu.

Ich sollte es nicht bereuen!

Die Geschichte von “Battlestar” liest sich laut Wiki (Achtung: Spoiler hier rausgefiltert, auf Wiki jedoch lesbar) so:

Battlestar Galactica2Battlestar Galactica spielt in einer hochentwickelten menschlichen Kultur vor dem Hintergrund eines Konfliktes zwischen Menschen und intelligenten Maschinen – den „Zylonen“ –, die sich gegen ihre Erbauer erhoben haben. Die Zeit, in der die Serie spielt, bleibt zunächst unspezifiziert. In einem ersten Krieg 40 Jahre vor Beginn der Handlung wurden die Zylonen zurückgedrängt und ein Waffenstillstand vereinbart, der zu Beginn der Serie durch einen massiven nuklearen Erstschlag der Zylonen auf die menschlichen Kolonien gebrochen wird. Die Menschheit wird hierdurch weitgehend ausgelöscht, die Flotte der 12 Kolonien wird durch einen Computervirus faktisch ausgeschaltet und von den Zylonen vernichtet. Zwei militärische Raumschiffe – die „Kampfsterne“ Pegasus und Galactica –, sowie eine kleine Zahl ziviler Transporter und Frachter mit insgesamt knapp 50.000 Überlebenden entkommen jedoch der Vernichtung.

Während die Galactica mit einem Konvoi ziviler Schiffe vor den Zylonen flieht und nach einem geeigneten Ort – insbesondere der in alten Mythen der Kolonisten als dreizehnte Kolonie erwähnten „Erde“ – für den Aufbau einer neuen Kolonie sucht, versucht die Kommandantin der dem Zuschauer erst im Verlaufe der Serie enthüllten Pegasus mittels Guerilla-Taktiken den Krieg weiterzuführen. Erschwert wird die Situation auf beiden Kampfsternen durch zwölf organische Zylonenmodelle, die die Schiffe infiltriert haben und sich nur teilweise über ihre wahre Identität bewusst sind. Auch der Zuschauer kennt nur einen Teil dieser Modelle, die im Laufe der Serie nach und nach enthüllt werden; vier der für die Handlung besonders bedeutenden „Final Five“ werden erst zum Ende der dritten, der letzte erst im Verlaufe der vierten und letzten Staffel bekannt.

Ähnlich wie schon meine zweite Favoritenserie “Babylon 5” ist “Galactica” stark an politische und spirituelle Gesellschaftsbeobachtungen- und Entwicklungen gekoppelt, wobei Galactica erstaunlich realistisch und in jedem Fall grimmiger wirkt. Ein weiterer Pluspunkt der Serie ist das intelligente Aufgreifen religiöser Aspekte. So sind die Menschen pagan und sie beten mit den Göttern der griechischen Antike, doch gerade die Zylonen vertreten fanatisch und völlig überzeugt den Monotheismus, was zu Beginn etwas irritierend wirkt. Religiös motivierte Maschinen? Basis für eine ganze Menge an Handlungssträngen in denen man oft nicht weiss ob jetzt die Menschen “automatischer” und die Maschinen “menschlicher” reagieren.

Genauso wie durch die ganze Geschichte hindurch niemals ein eindeutiges “Gut/Böse” Schema zelebriert wird und die Grenzen hier gekonnt mit moralischen Fragen und Situationen ständig verwischt werden, so kann man auch im religiösen Aspekt der Serie keine rechte Stellung beziehen und die Frage nach der Präsenz von “dem einen Gott” oder “den Göttern” löst sich erst im Finale auf hohem und verbindendem, spirituellen Niveau.

Die Hauptfiguren straucheln ständig zwischen Verstand und Emotion, sind zutiefst menschlich was in letzter Instanz selbst für die Zylonen gilt, deren ursprüngliche Zielstrebigkeit mit der Zeit zu bröckeln beginnt als sie den freien Willen entdecken. Ein hervorragendes Drama-Element dieses Sci-Fi Meisterwerkes.

Über weite Strecken ist “Battlestar Galactica” mehr Drama und Mystery was Fans von actiongeladenen Werken möglicherweise etwas langweilt. Was aber nicht heisst, dass diese nicht auf ihre Kosten kommen und gerade die Effekte sind auf höchstem Niveau. Doch interessanterweise entwickelte sich die Serie bei Liebhabern aller Richtungen und Altersgruppen zu einem Hit. Erstaunlich, ist sie doch eindeutig an Erwachsene gerichtet und geht diesbezüglich auch keine Kompromisse ein.

Mit dem Dreiteiler “Daybreak” endet dieses storytechnische Meisterwerk, und löst die Fragen die sich in der Serie stellten mit Bravour. Alle Darsteller bekommen ihren würdigen Abschied und wer nicht auf Wiki nachliest (und sich so um manchen Aha Effekt bringt), wird von der Lösung möglicherweise sehr überrascht sein. Gewisse mystische Elemente bleiben hinter den Schleiern der Vorstellungskraft und so kann der Zuschauer trotz befriedigendem Ende selbst noch so einiges hineininterpretieren, was diesen Abschluss sehr gelungen macht.

Mir werden die Adamas, Präsidentin Roslin, Helo, Boomer, Caprica 6, Gaius Baltar, Kara “Starbuck” Thrace und alle anderen in Erinnerung bleiben und ich kann ihre Abenteuer jederzeit nochmal an mir vorüber ziehen lassen. Die darstellerischen Leistungen sind sowieso erster Güte und gerade die vielen Charakterentwicklungen stellten sicher grosse Herausforderungen an die Schauspieler. Besonders Tricia Helfer als “Caprica Six” hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Das Spiel mit dem “Engel/Advocatus Diaboli” Schema meistert sie mit Bravour.

“Battlestar Galactica” – ein intelligentes Abenteuer das mich durchwegs fesselte, das Fragen aufwarf und dessen Ende mich so manche Träne zerdrücken liess. Und das ist ein gutes Zeichen!

Wie heisst es so schön (und die Bedeutung offenbart sich erst zum Schluss): “It has all happened before, and it will all happen again” (“Es ist alles schon einmal geschehen, und es wird alles wieder geschehen”).

Und genauso ist es!