Chronische Unzufriedenheit

GalaxieTäusche ich mich, oder wächst derzeit die chronische Unzufriedenheit in der westlichen Gesellschaft in einem rasanten Tempo? Obwohl man immer mehr hat ist es nie genug um so wirklich glücklich zu sein. Die Jungen (aber nicht nur) sehnen sich nach Liebe und Beziehung, pflegen die Kommunikation aber hauptsächlich via Handy und PC und wundern sich dann, wenn ihnen irgendwo etwas zwischenmenschliches, persönliches fehlt das über Sex hinausgeht. Sexualität deren Vorbilder oft in der produzierten Pornowelt geschaffen werden zu der man heute Zugriff hat bevor die LehrerInnen überhaupt von Blumen und Bienen erzählen. Die Älteren (auch hier gibts Ausnahmen) fühlen sich eingeengt, wissen nicht was sie wollen und treffen dadurch oft Entscheidungen die sie später bereuen. Dankbarkeit für das was man hat ist ein rares Gut geworden, denn es ist nie genug, und trotz boomendem Buchmarkt im Bereich Selbsthilfe-Spiritualität macht sich die grosse Verwirrung breit und die Konsumlust dient als vertrauter, aber nicht sonderlich erfüllender Anker im hektischen und informationsüberfluteten Alltag.

Auch die Magie soll hier – ganz konsumgerecht – schnelle Resultate liefern und die Bestellung beim Universum am besten portofrei und ohne Nebenwirkungen zugestellt werden. Dazu kommt das jeder das Gefühl hat alles zu wissen, Internet und Bücherflut sei Dank. Das zum Wissen aber auch noch Praxis und Erfahrung dazugehören um sich den Durchblick zu erarbeiten, wird gerne übersehen denn so mancher setzt “Wissen” und “Weisheit” gleich und hebt durch diesen Selbstanspruch die eigene Wichtigkeit, nicht bereit sich eine umfassendere und Muster brechende Sichtweise anzueignen.

Unzufriedenheit kann tatsächlich ein hervorragender Antrieb sein, etwas zu wandeln. Doch dieses “etwas” sollte nicht im Aussen liegen und auch nicht in vergangenen Leben oder unerfüllten Beziehungen. Dieses “etwas” ist im Hier und Jetzt verankert und nur im Innen zu erforschen und zu verändern. Und hierzu sind Magie und Ritual, denjenigen die sich dazu hingezogen fühlen, hervorragende Helfer und Heiler die vielleicht etwas langsamer als in der heutigen Zeit erwünscht, aber dafür tiefgreifend und effizient “verändern” können.

“Und du, der du daran denkst mich zu suchen, wisse dass all dein Suchen und Sehnen dir nicht helfen wird, es sei denn du kennst das Mysterium: Dass, wenn du das, was du suchst, nicht in dir findest, du es niemals im Außen finden wirst” heisst es in der “Charge of the Goddess” von Doreen Valiente, einem der bekanntesten Wicca-Texte.

Eine zeitlose Weisheit und gerade in der heutigen Zeit der äusseren Reize und Ablenkungen besonders wertvoll. Denn dort liegt auch der Schlüssel zum Tor das aus dieser weit verbreiteten Unzufriedenheit hilft.

Fast jeder weiss es, denn in vielen Büchern und Ratgebern der Gegenwart steht es. Aber lesen und wissen alleine reicht nicht, denn es erfordert ein ganzes Stück Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, (Selbst-)Beobachtung und vor allem Praxis um Göttin (ich mag hier die englische Schreibvariante GodDess) in sich zu finden und zu erwecken. Und diesen oft holprigen, oft abenteuerlichen Weg geht Mensch nicht immer gerne, auch und vor allem da der Alltag so fordernd scheint und der in einer Zeit in welcher eben alles immer gleich und sofort geschehen soll so wenig vielversprechend wirkt. Und es so viel leichter ist, die Ursachen für die Unzufriedenheit im Aussen zu suchen und sich mit Gedanken abzulenken, die letztlich oft nicht mal die eigenen sind.

Die grassierende Unzufriedenheit trägt ein grosses Potential in sich. Konstruktiv und Destruktiv. Mensch hat die Wahl, auch und vor allem angesichts dieser wirklich zahlreichen Möglichkeiten und Erkenntnissen unserer Zeit.

9 Replies to “Chronische Unzufriedenheit”

  1. Diese grassierende Unzufriedenheit seh ich in erster Linie als Ergebnis einer völlig entmenschlichten, aber dafür totalisierten Industrie- und Konsumgesellschaft. Und ich bin überglücklich mit dieser sich immer rascher vermehrenden Unzufriedenheit. Schliesslich warte ich seit drei dreissig Jahren darauf, dass sich das Volk endlich gegen die Bonzen erhebt und sie ausbremst.

    Die Menschheit wär garantiert mit weniger “Luxus” und dafür mehr Menschlichkeit glücklicher.

    Nimm nur als Beispiel die Idee des “Bedingungslosen Grundeinkommens”. Würde man das weltweit arrangieren, könnten Hunger und Armut auf der ganzen Welt innerhalb von nur maximal zehn Jahren völlig ausgerottet werden. Man darf gar nicht dran denken, sonst dreht man durch. Weil die Finanzdrecksäcke und ihre dauergeschmierten Schosshundpolitiker alles blockieren. Die würden nämlich nicht mehr so hohe Bonis einfahren und die ganzen CEOs und Typen mit ähnlich erbärmlichen Machotiteln würden auch weniger verdienen. Das kommt überhaupt nicht in Frage. Drum muss die Welt weiterhin dahinsiechen an Krankheit und Hunger.

    Hauptsache die Führer von Nestle, UBS und Konsorten haben ihre Milliarden im Sack. Dafür hungert die Welt. Ja – schreiben wir’s doch mal fett aus!

    DIE WELT HUNGERT FÜR NESTLE, UBS, MONSANTO, SHELL, u.ä.

    Ich bin sicher die Menschen verhungern gern und mit grosser Freude sterben sie an Krankheiten. Damit die CEOs der genannten Firmen gute Verdienste einfahren können.

    Oberhammer ist ja der hartnäckige Versuch von Nestle, Wasser zu privatisieren und kommerzialisieren. Die wollen das, was vom Himmel regnet und aus den Alpen fliesst, für teures Geld verkaufen. Diese gottverfluchten Arschlöcher kriegen den Hals nie voll. Ich will endlich eine Revolution *seufz* Ich möchte endlich real und nicht nur im Traum ein paar Köpfe auf einer Bastille sehen. Notfalls werd ich noch mit 90 zur Sprengmeisterin.

  2. Ich stimme dir grundsätzlich in fast allem zu, Dreamy. Ich glaube auch nicht, dass hier die Konsumunzufriedenheit gemeint ist, die Elli gut findet, eher die, die einen dazu bringt, sich noch mehr Sachen zu kaufen – oder umgekehrt die Wiederentdeckung der Langsamkeit, wenn man merkt, dass man eh nicht schnell genug rennen kann für diese Gesellschaft.
    Ich muss allerdings anmerken, dass man auch sehr gute zwischenmenschliche Beziehungen per Handy und PC pflegen kann. Von angesicht zu angesicht wären sie vielleicht noch besser, aber letztendlich ist der PC auch ein gültiges Medium. 🙂

  3. Jo – solche welche hab ich schon ein paar kennengelernt. Die waren aber alle höchstens 24. Wenn sie Beziehungsprobleme haben, hocken sie nicht zusammen, sondern gehen an verschiedene Orte um “Aufzutanken”, “Luft zu holen” oder “Abstand zu gewinnen”… Und dann wird tagelang voll hektisch hin und her gesmst.

    Schluss machen per SMS oder gar Twitter und Facebook ist heute auch keine Seltenheit mehr.

    Aber wie – so frag ich euch – sollen die Jungen lernen, mit Konflikten ordentlich umzugehen, wenn ihnen die Alten ständig Verantwortungslosigkeit und Gier vorleben und allen echten Konfrontationen ausweichen?

  4. bonjour les chères/cheres. Es gibt immer weniger menschen die bereit sind, sich mit unseren jugendlichen und deren Kommunikationsform auseinander zu setzen. Denn auch diejenigen die das erlernen und erarbeiten, werden am Schluss 80% an Büro pulten sitzen und einen fight mit der Bürokratie haben. Das ganze Bildungssystem zwingt die einzelnen schon genau da rein. warum wohl die groben konflikte..
    Mal ehrlich, wie oft hört ihr ich den Satz.. ‘ja da Chasch nüt mache. es isch jetzt eifach mal so!’ ‘ich chan da nüt ändere, und drum lahnis wies isch… blabla’ . Genau so oft höre ich aber auch das gegenteil.
    Genau diese Unzufriedenheit, wird der Anstoss sein (hoff ich mal) die Selbstverantwortung zurück zu gewinnen. Und vor allem das Bewusstsein der eigenen Handlungsfähigkeit.
    Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommen ist ein Vorzeige Beispiel, eine Hoffnung, wirklich eine geniale Lösung. Oder Bolivien als Beispiel mit ihrer neuen Verfassung. Das erste Land in unserer Zeitgeschichte die mit der Natur auf gleicher Augen höhe sein wollen, und das auch in ihrer Landesverfassung verankert haben! Dort wird Wasser niemals privatisiert und der erste indigene Präsident wird sich von diesen Weltmächten abwenden, denn er hat 100% ein Volk hinter sich..(mehr im ‘Zeitpunkt’ Ausgabe jan) kann ich sehr empfehlen.
    Ich kann die Blickwinkel von Elli teilen. Diese Revolution steht vielleicht schon vor der Türe. Doch kann diese Gewaltfrei abgehen? Wer sind die Leute die an der Front stehen um die Köpfe rollen zu lassen? Elli, ich kenne dich noch nicht, aber gehst du auf die Strasse und wärest bereit einen weiteren Anstoss zu geben? Gehst du an die WEF Demos? und so weiter..
    Es braucht mehr gute Anleitungen, das eigene Verhalten oder eben die eigene Unzufriedenheit zu besiegen. Zum Beispiel, das erlernen und pflegen der Langsamkeit. Das lenken des Fokus und das Bewusstsein der folgenden Konsequenzen… ja und einiges mehr.. das wissen der eigenen Aufgabe und dessen Ausführung.

    Ich habe Menschen kennengelernt, die sich ebenfalls auflehnen wollen, teilweise aber nicht wissen wie und in ihrer chronischen Unzufriedenheit verharren. Aus Angst sie könnten an den Rand der Gesellschaft geraten. Und es gibt ganz viele gute Leute die mit Herz und Blut dafür arbeiten, zwar Umwege gehen müssen, aber ‘Kriegerstrategien’ entwickeln. Die brauchen Zeit.

    Zu Wissen, dass eigentlich nur 30Köpfe die ganzen Zügel in der Hand halten ist bedenklich und macht mich genau so wütend. Nun kann ich wählen, entweder ich lenke meine ganze Aufmerksamkeit auf die gewissenlosen Drecksäcke, doch sie haben es gar nicht verdient oder ich richte sie auf all die geschäftigen Gleichgesinnten und arbeite mit, dass es fruchtbar wird. Und wenn eine Revolution unausweichlich ist, ist sie schon im Gange. Jetzt.