“Schattengedanken” zum Geschäftlichen

“Über Geld spricht man nicht”, lautet ein alter Spruch der unverkennbar eine typische Charaktereigenschaft der westlichen Gesellschaft beinhaltet. Warum eigentlich nicht? Schliesslich ist es ein Machtfaktor den wir uns selbt erschaffen haben und der jeden Bereich unseres Lebens durchdringt. Es ist legitim, wenn ich dieses Jahr als “finanziell herausfordernd” benenne, schliesslich ist es ja bereits fast um.

Es ist auch interessant, wieviele Menschen eine “Selbstständigkeit” bzw. ein eigenes Geschäft immer noch automatisch mit “Wohlstand” in Verbindung bringen. “Wenn Du einen Laden hast musst Du auch Kohle haben”, denken viele immer noch automatisch. Hehe…das ist in einer Zeit wo in Luzern z.B. ein kleines Geschäft ums andere schliesst (und durch Schuh- und Kleiderläden grosser Ketten und Nagelstudios ersetzt wird) doch ein bisschen ironisch.

Also es ist mit Sicherheit ein Wohlstand für die Seele, denn diese kann sich verwirklichen, aber im Portemonnaie sieht es manchmal anders aus, vor allem wenn unvorhergesehene Kosten wie Tierarzt, Zahnarzt und ähnliches unkalkulierbares ihren Beitrag auch ans hexische Leben leisten. Und Leute die ihre Rechnungen nicht oder sehr sehr spät zahlen, machen es nicht gerade einfacher. Meine Preise mag ich auch vertretbar halten, was nicht einfach ist wenn man seinen Laden hauptberuflich führt.

Einst dachte ich in einer Euphorie nicht mal dran, das ich ja auch mal meinen Lebensunterhalt bestreiten muss wenn ich mich wirklich dazu entscheide meiner Berufung zu folgen. Das ich nicht gerade der beste Geschäftsmann bin, der Büroarbeit nicht ausstehen kann ist dabei auch nicht gerade ne Hilfe und mit Idealismus alleine kommt man derzeit nicht weit. Das Ferienverzicht für einen Alleinunternehmer ebenso ein Preis ist den man oft bezahlen muss, damit setzte ich mich in der Leidenschaft der Sache und der Liebe zur Materie ebenso kaum auseinander.

Aber ich will nicht jammern, nur ein bisschen offen Bilanz ziehen, denn es geht mir eigentlich gut und es mangelt an nichts und dafür bin ich dankbar! Auch meinen lieben Freunden die mich durchs Leben begleiten und wo man füreinander da ist einen Dank zuwerfen. Denn sie weisen mich auch auf meine Schatten hin und sind mir oft ein wichtiger Spiegel, auch in Dingen die mit Beruf und Berufung zu tun haben. Ein Reichtum jenseits von materiellen Werten!

Wie oft dachte ich schon, ich würde es nicht mehr lange schaffen und es klappte dennoch immer wieder. Vertrauen, das bislang nicht enttäuscht wurde. In gewissen Momenten jedoch kommen sie eben, diese Gedanken, und alte Muster versuchen wieder ihre destruktive Kraft zu entfalten. Passend zu jenen Wochen in denen auch in meinen Kursen die “Schattenarbeit” auf dem Programm steht. Irgendwie “gemein”, dass man das was man lehrt auch selbst immer wieder an sich “überprüfen” muss 🙂

Und dann sehe ich die Herausforderungen wieder als Prüfung an mein Vertrauen und meine Leidenschaft, die meist um diese Jahreszeit – passend – begleitend in mein Leben treten. Und über die ich mich auch wieder aktiver mit dem magischen Wirken beschäftige und mir selbst auf den Grund gehe. Mich mit Zielen und Werten auseinandersetzen darf. Ich mach das nicht immer gerne, aber es ist wichtig und “erdet”. Stellt letztlich den Harmoniefluss zwischen denn Elementen wieder her oder checkt “die Leitung”

Deshalb kann ich zum achtjährigen Bestehen meines Ladens nur sagen: toll, das es ihn trotz allem noch gibt. Und auch die nächsten Herausforderungen mit Bravour bestehen um in zwei Jahren “10 Jahre Zwischenwelt” feiern zu dürfen. In einem Umfeld in dem man mir ursprünglich nicht mal 5 Jahre prophezeite *g*….

4 Antworten auf „“Schattengedanken” zum Geschäftlichen“

  1. Was hast du gegen Schuhgeschäfte und Nagestudios? Auch die Leute müssen leben. Bei den Nagelstudios hab ich mich aber auch schon gewundert, wie viele davon es geben kann. Als könnten sich die Frauen ihre Nägel plötzlich nicht mehr selbst pflegen *ggg*

    Und das mit dem “Über Geld spricht man nicht” kommt immer von denen, die mehr haben. Den höheren Lohn, das teurere Auto, den besseren Job etc. Es geht dabei darum Eifersucht und Missgunst zu verhindern.
    Und es geht auch darum, bei dem, der eben mehr hat, das schlechte Gewissen zu dämpfen, weil er nicht teilen mag.

    Die Übergänge sind fliessend und das ist nicht ganz einfach. Ich zB teile gern zugunsten von Natur- und Umweltschutz. Aber ich mag nicht mit zB Leuten teilen, die weniger fleissig sind. Dann würd ich ja quasie für die anderen arbeiten.

    Etwas anderes wäre es wieder, wenn zwei verschiedene Menschen für denselben Job verschiedene Löhne bekommen. Die Schweiz hinkt in der geschlechtlichen Lohngleichheit weltweit extrem weit hinten mit, zu einem sehr grossen Teil, ist das sogar in Entwicklungsländern besser. Die Schweiz ist echt mieser drauf als ein Entwicklungsland. Da sehen wir schön, was den Schweizern Frauen wert sind.

    Zum Teil verdienen in unserem Land Männer für denselben Job immer noch bis zu einem Drittel mehr. Bloss weil sie Männer sind. Selbstverständlich wollen sie dann darüber nicht gegenüber den ausgenützten Frauen im gleichen Betrieb sprechen. Nicht weil sie den Frauen nicht denselben Lohn gönnen würden. Sondern weil sie Angst haben, dass ihr eigener Lohn gekürzt wird, wenn derjenige der Frauen tatsächlich angeglichen wird. Apotheken sind da zB sehr extrem. Drum stellen Apotheken bevorzugt Frauen ein. Die gibts viel billiger als Männer mit derselben Ausbildung.

    Hoffe, die Schweiz kommt da gelegentlich noch aus dem Status eines zurückgebliebenen Entwicklungslandes raus.

  2. Hehe…ich hab überhaupt nix gegen Schuhläden und Nagelstudios. Die Schuhläden sind allerdings meist Ketten und ich frag mich bei beiden Sparten wie die das schaffen? Braucht Mensch soviele Schuhe im Hochpreissegment *g*? Aber für die Vielfalt isses eben schon ein bisschen traurig…

  3. Ich möchte dir hiermit einfach nur sagen, wie glücklich ich mich schätze jemanden wie dich zu kennen, der einen so Superladen führt, der mich ein Jahr lang durch das crafting begleitete und durch den ich extem viel lernen durfte. Und noch heute begleitest du mich auf diesem Weg und ich darf nach wie vor von dir lernen. Ich geniesse ebenso die Feste die wir zusammen verbringen dürfen. Ich möchte dir einfach nur danken und möchte dir sagen, dass ich grossen Respekt habe vor allem was du in diesem Zusammenhang leistest.

    Ich denke es ist bestimmt nicht immer leicht für dich, doch es gibt Menschen die deine Arbeit extrem schätzen.

    Häb ä wunderschöne Abig

    Katharina