Auch das gibts…(eine kleine Tierarztgeschichte)

hecate4Da sitz ich heute im Wartezimmer beim Tierarzt, auf dem Schoss meinen alten Anubis, als eine Mutter mit ihrem etwa 10-jährigen Sohn und einer wunderschönen und quicklebendigen Perserkatze ankommt. Beide sehr ausgelassen und fröhlich. Nachdem die Zwei meinen Prachtkater bewunderten und ich deren absolut liebenswerte Katze begutachte fragen sie mich was mein Kater hätte. “Altersbeschwerden” antworte ich. “Das kann er sich leisten, ist schliesslich über 17 Jahre alt.” “Ach unsere ist nur 3 Jahre alt und wir lassen sie heute einschläfern”, folgt daraufhin die fröhlich gezwitscherte Antwort.

Ich bin verwundert und kann es bei einem Blick auf das nervöse aber fröhliche Prachttier kaum glauben. “Chronische Entzündung des Rachens und des Zahnfleisches seit einem Jahr” antwortet man mir auf meine stumme Frage. “Sie kann sich das Fell nicht mehr richtig putzen deswegen und das ist nun doch ein bisschen viel”, die Mutter. “Ist nicht so schlimm, wir haben noch eine andere”, lachend der Sohn.

Eine mit mir im Wartezimmer sitzende Frau ist scheinbar genauso verwundert wie ich und murmelt “und es gibt ja noch viel mehr Katzen”. Den Sarkasmus überhören die lustigen Katzenbesitzer.

Ich frage noch nach ob sie denn auch Naturärzte und Alternativen versucht hätten, denn bei einem dreijährigen Tier erscheint mir das ein so heilbarer Grund. Und schliesslich könnte man das Tier ja täglich kämmen um Verfilzung des Fells zu vermeiden und es zu entlasten. Bei einer Langhaarkatze sowieso ein Muss. “Ja, haben wir”, kommt die Antwort die etwas aufgesetzt wirkt…

Ich wünsche dem Tier in Gedanken eine gute Reise und da ich bereits drankomme den beiden Witzdrosseln “alles Gute”.

Ich bin ja kein Tierarzt und kann die Schwere eines solchen Leidens nicht abschätzen. Die Fröhlichkeit der beiden jedoch verwunderte mich. Nicht, weil ich ihnen eine positive Einstellung zum Tod nicht gönne, sondern schlicht weil ich so überhaupt keine Liebe zum Tier wahrnehmen konnte. Naja…jetzt wird’s mühsam also schläfern wir sie eben ein… Als wäre es ein “Ding”.

Okay, ich kenne die Situation nicht genauer und meinem Gefühl – das mir mitteilte dass die Katze der beiden noch nicht soweit ist – traute ich diesbezüglich nicht. Schliesslich neigt man, ist man in ähnlicher Situation, zur Projektion und nur weil ich meinem alten Herrn viel Zeit und Aufwand biete um ihm seine Lebensqualität zu sichern, kann ich das nicht von anderen ebenso erwarten. Und nur weil ich hoffe ihn noch nicht einschläfern zu müssen, möchte ich keine Fehleinschätzung treffen, auch wenn meine Hexensinne etwas anderes signalisieren. Schliesslich werden sie das ja mit dem Arzt besprochen haben und wissen was sie tun…

Drin bei der Tierärztin kommt die Sprache natürlich auch auf eine etwaige Euthanasie und ich bin doch froh, dass es Anubis nicht so schlecht geht dass diese jetzt notwendig wäre. Dennoch erwähne ich im Zuge der Unterhaltung die fröhliche Familie im Wartezimmer und merke an, dass es sicher auch nicht leicht sei ein erst 3-jähriges Tier einschläfern zu müssen.

Ein Blick in die Augen der Tierärztin, die diese mit einem Seufzer verdreht, drückt Romane aus. “Wissen Sie”, sagt sie, “es gibt verschiedene Menschen mit verschiedenen Prioritäten im Leben”. Wir verständigen uns wortlos. Mein Gefühl hat nicht getrügt. Zuviel Aufwand…also den leichten Weg gewählt. Seufzend bedanke ich mich für die Untersuchung und Behandlung meines “Alten” und verlasse die Praxis.

Das Wartezimmer ist nun leer. Das Kätzchen hat seine Reise wohl angetreten. Ich bin erleichtert wegen meinem Kater und melancholisch, weil ich das Erlebte nicht nachvollziehen will. Ein Tier ist doch ein Familienmitglied. Ein Freund. Zumindest in meiner Welt.

Nun, vielleicht wurden doch noch ein paar Tränen der Achtung geweint. Vielleicht überspielten die beiden ihre Trauer geschickt. Ich kann es nicht sagen. Mir kam es seltsam vor…..

Und doch erleben Freunde wie die liebe Willow – die beim Tierschutz arbeitet – noch wesentlich unverständlichere und teilweise wirklich grausame Sachen. Da war mein Erlebnis ein kleiner Klacks dagegen…

Respekt!

4 Antworten auf „Auch das gibts…(eine kleine Tierarztgeschichte)“

  1. Hallöle,

    Ne Bekannte von mir hatte nen Streunerkater, ein Mistvieh von einem Tier, der hatte auch ne chronische entzündung iM rachenraum, ausgelöst durhc ne Verletzung.
    3 Operationen und unendlich viele Behandlungen.
    Wenn man will, so ist es möglich!
    Und bei dem kater war der Gaumen bis zur Nase hin offen wegen der Verletzung und der Entzündung.