Und lange brannte der Böögg

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Heute holte ich spontan meinen Mann in Zürich ab und wir gingen an die sogenannte “Böögg” Verbrennung am Ende des Zürcher Sechseläutens. Je schneller der Kopf des Böögg explodiert, desto schöner soll der Sommer werden. Nun, es dauerte lange bis der Dickschädel mit einem Rumms in die Luft flog: 26 Minuten (lt. Medien), was traditionell nun einen schlechten Sommer verheissen soll….

Für mich war es das erste Mal das ich diesem Spektakel live beiwohnte und es war irritierend. Ich will hier keine Klischees aufwärmen, aber ich fühlte mich mit dem Scheiterhaufen tatsächlich immer wieder für Momente in der Zeit zurückversetzt, hatte phasenweise ein mulmiges Gefühl und so manchen “backflash”. Erst als die ersten Feuerwerkskörper losgingen, brach diese in mir dräuende, seltsame Atmosphäre. Der Ascheregen und die dichten grauen Rauchschwaden jedenfalls sorgten für einen morbiden Touch.

Witzig jedenfalls, dass es so lange dauerte mit dem Schädelplatzer, dass einige bereits gingen, da sie annahmen die Rübe wäre bereits in die Luft geflogen. Sie wurden dann vom Hauptknall im Rücken überrascht. Also eigentlich ein superschlechter Sommer, der da orakelt wurde. Aber keine Bange: die letzten Jahre hatte der Böögg nie so recht recht… :-).

Letztlich war es unterhaltsamer, die Leute zu beobachten und aufgrund mancher hochgehender Emotionen bekam man zwischendurch echtes Entertainment geboten, wie es nur das Leben bieten kann.

Spannend war’s 🙂

10 Kommentare

  1. Noch so ein geschichtlicher Link. Von wegen uralt und Zünfte und blabla.
    Böögen, bzw. Strohpuppen werden in Zürich zum Frühlingsanfang schon lange verbrannt. Übernommen haben diesen Brauch die um 1900 neu gegründeten Zünfte. Um 1800 wurden die nämlich von den Franzosen zerschlagen. Fertig war’s mit der Totalmacht von Wirtschaft über Zürich. (Naja, für ein paar Jahre halt. Wär mal wieder ne Revolution fällig *seufz*)
    Nun jedenfalls haben die sich um 1900 wieder zusammengefunden und die Zünfte wurden – wie aus dem Mittelalter überliefert – wieder neu gegründet.

    Doch jetzt kommts. Achtung! Was denkt ihr, ist der grosse Unterschied von den mittelalterlichen zu den heutigen Zünften? Die neuen Zünfte sind reine Männerclubs. Wo im Mittelalter noch Frauen in Vielem gleichberechtigte Mitglieder waren, dürfen heutzutage nur Männer dabei sein. Hach, was sind wir modern.

    Wir wärs, wenn wir den französischen Revolutionsruf
    “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!”
    umbenennen in
    “Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit!”
    Ob sich da wohl jemand ausgeschlossen und abgegrenzt fühlen würde? Versuchen wir’s mal mit
    “Freiheit, Gleichheit, Menschlichkeit!”.

    Solang die Zünfte in Zürich reine Männerclubs bleiben und damit die Geschichte, die sie angeblich bewahren wollen, verfälschen, sind das für mich alles nur Profilneurotiker, die man ignorieren kann.

    🙂

  2. *lol* Find ich echt cool von euch, dass ihr an einen solchen “Event” geht…Werdet mir nur nicht zu bünzlig, gell?
    @Elli: Also ich weiss ja nicht, wie es in Luzern ist, aber ich sehe ab und zu so Zunftleute, und die haben immer Damen in hübschen Kostümen und Trachten dabei.

  3. Keine Bange, Lene. Es war mehr ein “jetzt sind wir schon da, jetzt schauen wir auch” Event. Extra dafür hingefahren wären wir nicht…;) Und in Zürich sind die Geschehnisse drumrum sowieso unterhaltsamer als der Event selbst *ggg*…

  4. Lene, die sogenannten Damen werden innerhalb der Züri-Zünfte behandelt wie gute Christinnen. Nämlich als weniger wertvoll als Männer. Kennen wir ja schon alles. Die Frau, das minderwertige Wesen, das dem Manne untertan zu sein hat.

    Darum dürfen sie zB auch nicht auf dem Zunftumzug am Sächsilüte mitlaufen, sondern dürfen nur am Rande mitgehen und ihre stolzen Männer mit Blümchen bewerfen.

    Keine Frau kann Mitglied einer Zürizunft werden. Bestenfalls kann sie ein männliches Mitglied heiraten.

    Bunte Kostümchen reissen das auch nicht raus.

  5. Lustig.
    Mich interessiert das Ganze ja auch nicht so.
    Ich find es auch etwas unheimlich als Ritual, so ein Ding mit Kopf verbrennen und dann noch Freude dran haben…..gefällt mir nicht.

    Habt ihr das mitbekommen, dass in Zürich eine Frauenzunft versuchte, Fuss zu fassen und schon mehrfach beantragt hat, mitlaufen zu dürfen, aber immer abgeblitzt ist?
    Zuerst liefen sie dann hinterher und bei den nächsten malen dann voraus.
    Weiss nicht, ob sie dieses Jahr wieder vorausgeeilt sind 🙂

    Lächerlich ist das. Die Herren wollen alleine in Strumpfhosen und Röcken herumstolzieren…..und welche Wichtigkeit das hat!

    Wo ist das Problem, wennn ein Frauengrüppchen mitläuft? Versteh ich nicht.

    Aber zum Schauen ist es sicher lustig.
    Ich hatte vergessen, dass ich am Nachmittag frei gehabt hätte und hab einen Gesprächstermin am Nachmittag vereinbart…zuhause sah ich dann einen Tannenbaum mit roten Schleifen an meinem Fenster vorbeifahren…komisch.

    🙂
    Liebe Grüsse
    Ethaine

  6. Ich schätze das eher so ein, dass das einfach nur eine Gruppe Fraue ist, die mitlaufen will in mittelalterliche Gewänder gehüllt als Zunft zur Fraumünster, weil die halt auch ihre Daseinsberechtigung hat.
    Ich finde das jetzt einen ganz normalen Wunsch.

    Die Reaktion der Herren hingegen finde ich mittelalterlich patriarchalisch.

    Die Frauen wollen ja keinen weiblichen Böög und auch keine weiblichen Reiterinnen um den Böög und auch nicht gleich viele Frauen wie Männer am Umzug.
    Sie wollen einfach nur ihre Zunft ganz bescheiden und mickrig und ohne Wagen und Blumen und Pomp und männliche Diener mitlaufen lassen.
    Einfach nur in Kutten gehüllt mitlaufen.
    Ich finde das eher bescheiden bis unterwürfig.

  7. hi dreamy,
    wow, du warst da? warum hab ich dich nicht gesehen? :))
    Mir ist eher die seltsame Zunftsache, die, wie Elli schon angedeutet hat, nicht an allen Ecken und Enden wirklich koscher ist, unheimlich als das Verbrennen des Böögs. Das Winteraustreiben ist ja anscheinend ein altes Ritual und ich finds sehr heidnisch. 🙂
    Hurrah, weg mit dem Winter! ^^
    yaga