Traurige Bilder aus dem Gütschwald

Wie versprochen hier ein wenig dokumentiert, wie der Wald um Luzern zunehmend verändert und gerodet wird. Einiges macht durchaus Sinn, anderes dient sichtlich nur der Wirtschaft. Was soll man auch erwarten, finanziert sich die Luzerner Stadtförsterei ja durch den Holzverkauf selbst. Angeblich geschieht dies alles mit dem Segen des WWF Luzern, der ein Auge auf die korrekte “Bewirtschaftung” haben soll. Übrigens sind noch ziemlich Bäume im besten und wirtschaftlich lukrativsten Alter markiert und so wird in den nächsten Wochen noch so mancher weiterer Kraftplatz zur potentiellen Trümmerzone werden. Wer gerne Fragen dazu an die Verantwortlichen stellen möchte, der richte diese an das Stadtforstamt Luzern: stadtforstamt[at]korporationluzern.ch . Aber scheinbar machen die ja alles richtig! Ich möchte betonen, dass die Bilder die entstellten Plätze nicht in ihrer Ödnis einfangen können und jemandem der sie vorher so nicht gesehen hat der gruselige Unterschied möglicherweise gar nicht gross auffällt. Macht Euch am besten selbst ein Bild und spaziert mal ein Wenig….Es sieht auf den Bildern massiv harmloser aus als in Natura!

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Das hier (und rechts gehts weiter) war mal ein wunderschöner Platz der von Jahr zu Jahr weniger wird und nun auch Frühjahr/Sommer nicht mehr besser aussieht…

 

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Weite Strecken sehen nun so aus

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Nur ein Bruchteil der Ödnis

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Dieser Hang wurde ziemlich ausgedünnt

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Das hier war einmal ein kraftvolles Plätzchen

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Diese Riesen oben fallen in Kürze

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Ein weiterer Todeskanditat

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In noch keinem Winter war es so karg. Man darf auf viel Regen hoffen, dieses Jahr…

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Ist doch nett. Der Riese (hier nur ein Ausschnitt) wurde extra gefällt, damit die Leut die anderen Bäume und Äste in Ruhe lassen.

15 Antworten auf „Traurige Bilder aus dem Gütschwald“

  1. Hey Bro!

    Traurig, ja…

    Aber mach bitte bei dem Beitrag die Emailadresse so:
    stadtforstamt [at] korporationluzern [dot] ch

    Sonst bekommens noch viel Spam Deinetwegen, da Dein Blog ja recht heavy bei den Robotern (Google sowie Spammern) gefunden wird.

    Knuff,
    Patric

  2. Ich weiss auch nicht alles. Wollt dir den Link zum Recherchieren geben. Die wenigsten wissen, dass unser Land und andere Auflagen bezüglich Wald und Wasser zu erfüllen haben. Selbstgesetzte, europäische und nationale.

    Man betrachte zB Spanien. Seit sie während der Kolonialzeiten ihre Wälder für Schiffe abgeholzt haben, haben sie nichts für Wiederaufforstung getan. Spanien ist nicht nur das schmutzigste Land in der EU sondern auch Spitzenreiter in allen Umweltsünden. Ich kann gar nicht alles Schreckliche aufzählen, was die da tun. Aber eines davon ist vielleicht bezeichnend für die Mentalität dort. Man versenkt Sondermüll im Meer unter der Annahme, dass man in der Zukunft dann die Technologie hätte, dies zu entsorge. So im Stil: Aus den Augen, aus dem Sinn. Die Nachfahren sollens lösen. Hauptsache mein Konto stimmt.

    In ca. 10-30 Jahren wird über die Hälfte des Landes Wüste sein. Die einzige Wüste in Europa. Dank totaler Ausbeutung und Vernachlässigung.

    Die Spanier scheints nicht zu kümmern. Die halten zwar eine Konferenz nach der anderen ab, haben Klimawandel als Wahlkampfthema und puschen in diese und jene Delegation oder Arbeitsgruppe Steuergelder rein. Das ändert nichts. Über die Politik hinaus gelangts nämlich nicht.
    In hundert Jahren gibts kein Spanien mehr. Warum? Weil der Boden dort ohne Wald erodiert. Die Wüste kann nur durch Bäume aufgehalten werden. Europa ist Waldkontinent.

    Ja und eben. Auch wenn’s die Spanier nicht kümmert. Andere Länder sehen dies und anderes. Europas Wald gehts recht gut (mit Ausnahme von Spanien und Griechenland). Man hat ausserdem erkannt, wie wichtig der Wald für das Überleben von Mensch und Tier ist. Die langfristigen Ziele sehen Korridore durch den ganzen Kontinent vor. Im Moment wird in vielen Ländern, inklusive der Schweiz, sehr viel geholzt. Das meiste davon sind allerdings standortfremde Pflanzen. Es wird damit Platz geschaffen für die Einheimischen. Es muss nicht mal nachgepflanzt werden. Nur abwarten, was die Natur dort hinsetzt 🙂

    Mir hat der Kahlschlag hier in einem Stück des Auenwaldes auch weh getan. Wo vorher dichter Wald war, ist nun eine Lichtung. Die Verwüstung sieht grauenhaft aus.
    Aber da kommen uns wieder unsere menschlichen Gewohnheiten in den Weg. Was denkst du, wieviele Kahlinseln es gäbe, wenn der Mensch nicht nur so wenig übrig gelassen hätte? Naja, egal. Ich will das jetzt nicht auch noch geschichtlich vertiefen. Was ich eigentlich sagen wollte…
    Jedesmal wenn ich dort durch spaziert bin, hats mir weh getan. Aber ich habe in der Natur selbst keinen Schmerz gespürt. Viel eher sogar ein Aufatmen. Um das zu erkennen musste ich allerdings zuerst meine persönlichen Schablonen (jö… dä wald ist kaputt. so trurig) entfernen.

    Was wirklich geholfen hat? Eben die Recherche zum europäischen Waldumbau. Und – noch wichtiger – die Tiere *breit grins* … Ich seh dort auf dieser neuen Lichtung am Bach Tiere, die seh ich sonst kaum oder nie. Zum Beispiel Kormorane 🙂

    Natürlich ist immer Profitgier dabei. Aber anders gehts wohl beim Menschen nicht. Mir gefällt aber die Richtung, die es im Moment nimmt. Auch wenn es noch mehr braucht, bis ich zufrieden bin.

    Also mehr Details zu diesen Waldplänen entnimmst du bitte dem Link 🙂

    *busserl*
    Elli

    🙂

    ps: Bau, Sanierung und Unterhalt von Spazierwegen im Wald, sowie Abfallentsorgung werden meistenteils auch von den Holzeinnahmen finanziert. Und ein Kaminfeuer magst du ja auch 🙂

  3. Vielen dank für die ausführlichen Gedanken und Hinweise. Mal schauen, ob die Trockenheit und das Klima den Rest des Waldes nicht sowieso bald killen :C .Von Aufforstung merkt man hier jedenfalls nicht viel. Und viele der jungen Bäume die es hat sind erbärmlich am verkümmern…

  4. Von Aufforstung hab ich nicht in Bezug auf die Schweiz, sondern Spanien gesprochen.

    Ich frag mich grad, wie oft ich das noch wiederholen muss. Also *lufthol* …

    Das Eigenössische Waldgesetz der Schweiz ist über 100 Jahre alt. Unter anderem besagt es, dass die Fläche des Waldes im Vergleich zum damaligen Stand nicht schrumpfen darf. Ist sie auch nicht. Achtung! SIE IST GEWACHSEN.

    Nächster Punkt: Proportional zur Landesfläche betrachtet hat die Schweiz den dichtesten Wald Europas.

    Nimm mich und meinen Auenwald. Die wunderschöne Ecke hier, an der ich wohne. Sieht toll aus oder? Genau die Stücke dem Bach entlang, die zu meinem Haus rüberführen und etwa ein Drittel der Strecke, die wir zusammen spaziert sind, war noch vor fünfzig Jahren unbewaldete, offene, landwirtschaftliche Fläche.
    Und hätte ich das gewusst, wenn ich nicht ständig Fremde anquatschen würde und auch noch die Behörden mit Fragen nerve? Nein, hätt ich nicht gewusst.

    Aufforstung siehst du nicht. Nur das Abholzen.

    Nun wie auch immer. Per Gesetz darf die Waldfläche der Schweiz nicht schrumpfen und das tut sie insgesamt auch nicht. Das funktioniert seit über hundert Jahren.

    Für mich gibts daher ein grösseres Problem als die Teilrodungen in der Schweiz. Nämlich nicht das WIE sondern das WER. Und das bezieht sich auf das Alter.

    Augenblicklich haben unsere Forstleute noch die schreckliche Angewohnheit, alte Bäume zu fällen, weil die angeblich wertlos sind. Also das geht so: Das Holz von Bäumen kann man nur in gewissen Altersspannen brauchen (wie den Menschen auch *lol*). Sind sie zu jung, sind sie zu klein und zu schwach. Sind sie zu alt, sind sie zu rissig, morsch oder faul. Jedenfalls wirtschaftlich wertlos. Und daher schneiden die Deppen auch die alten Riesen raus, die sie mal übersehen haben. Nicht, weil sie unbedingt das Holz brauchen, sondern damit da Platz gemacht wird für Holz, das man dann auch verkaufen kann.

    Ingesamt ist mein Problem mit dem Schweizer Wald ein ganz anderes als das der meisten. Nämlich der Altersbestand. Es gibt viel zu wenige alte Bäume. Aber eine erste Trendumkehr ist in Sicht. In einigen Kantonen haben die Forstbeamten von den Regierungen Auflagen erhalten, auch solche alten “wertlosen” Bäume stehen zu lassen.
    Man entdeckt langsam, dass die gar nicht so wertlos sind.

    Zudem werden die Totholzinseln durchs Land auch immer dichter, so dass bald ein Netz das ganze Land überzieht. In grossen Teilen sind die Inseln schon grenzüberschreitend.

    Das Tollste ist eben der schon mal andernorts erwähnte Korridor von Nord- nach Südeuropa. Da gibt es bereits wieder eine Passage über den ganzen Kontinent für Wildtiere. Als letztes hat Deutschland glaub ein paar Lücken geschlossen.

    So… jetzt geh ich wieder spielen *ggg*

    *busserl*
    🙂

    ps: Wieder so ein typischer Fall, in dem mein Glas halb voll ist und das der anderen halb leer *ggg*

  5. Mein Freund und ich sind erschüttert. Egal welche Gründe für diesen Kahlschlag sprechen, es sieht einfach schrecklich aus! Ein paar unserer Lieblingsplätze wurden einfach abgeholzt und das Schlimmste daran ist, dass nur die Stämme der Bäume abtransportiert wurden und die Äste einfach liegen gelassen wurden. Tonnenweise bestes Brennholz, das schockiert einige Leute, die sich regelmässig dort aufhalten. Die meterbreiten Schneisen, die zum Abtransportieren der Stämme in den Wald geschlagen wurden, sind auch nicht gerade ansehnlich. Ich hab dem Stadtforstamt ein Mail geschrieben, in dem ich um eine ausführliche Stellungsnahme bitte. Und wir werden in Zukunft noch mehrmals an die gerodeten Orte gehen, um wenigstens ein paar Kilo bestes Buchenholz zum Schnitzen und Verbrennen zu nutzen.

  6. Sorry Lene, aber jetzt liegst du EXTREM FALSCH. Von wegen sie nehmen nur die Stämme mit und lassen die Äste liegen. Was glaubst du, wie lange wir dafür gekämpft haben, dass das in ganz Europa genauso gemacht wird?
    Hast du meine anderen Posts gelesen? Das Stichwort lautet “Totholzinseln”.
    Ich kann dir gar nicht aufzählen, für wie viele Arten diese liegen gelassenen Äste überlebenswichtig sind. Es sind mehr Tiere in Europa ausgestorben oder verschwunden wegen fehlender Totholzinseln als wegen fehlender Hecken.

    Nach jahrelangem Seilziehen hat der Umweltschutz in Europa die Regierungen überzeugen können, dass bezüglich Totholz von ihrer Seite her eingegriffen werden muss. Gerade noch rechtzeitig. Allein die letzten zwei bis acht Jahre konnte man quasie zusehen, wie fast oder auch ganz verschwundene Arten sich wieder vermehrten. Langfristiges Endziel ist es, dass mindestens zwei Totholzkorridore den ganzen Kontinent überziehen.

    Wenn die Holzarbeiter alles mitnehmen, ist es nicht gut. Dann heisst es sie sind gierig.
    Und wenn sie was liegen lassen, beschwert man sich, weil es unschön aussieht und Vergeudung sei? tsss …
    (Warum fällt mir jetzt bloss meine Nachbarin ein, die sogar den Kiesplatz vor dem Haus und ihre Platzsteine mit dem Staubsauger putzt, damit alles auch ja schön reinlich aussieht? *ggg*)

    Und beachte bitte, dass das, was du Verwüstung nennst, wesentlich zum Überleben vieler Arten beiträgt.
    In der Natur gibt es nicht so gepflegte Wälder, wie wir sie hier haben. Die Verwüstung ist mehr als willkommen weil sie Platz schafft. Wär Europa noch Wald, so wie es eigentlich biologisch korrekt wäre, dann gäbe es unzählige natürliche solcher Verwüstungen, die auf natürliche Art entstehen würden. Verwüstung ist es nur für das menschliche Auge, das sich lieber am Grün erfreut.

    Selbst die Schneisen der Waldfahrzeuge werden nullkommanichts überwachsen und schaffen wieder neue Biotopinseln im Wald, die sehr willkommen sind. Da du vermutlich keine Kräuter sammeln gehst, wird dir kaum aufgefallen sein, dass exakt auf diesen Schneisen oft welche wachsen, die man sonst nur schwer findet. Letzten Sommer hab ich in einer solchen Schneise ganz wundervoll viel wilde Zitronenmelisse gefunden. Ich zähl jetzt aber nicht alle Kräuter auf, die in diesen Schneisen Überlebensraum finden.

    Also bitte, wenn ihr etwas für den Wald tun wollt, dann kümmert euch darum, dass sie mehr alte Riesen stehen lassen. Das ist im Moment das Wichtigste in Hinsicht auf den Schweizer Wald.

    Ich glaub, ich leg mir nen neuen Slogan zu. NATUR IST WILD!

    Grüessli
    Elli

    🙂

    ps 1
    Von wegen Schnitzen: Sei doch netter als die Holzarbeiter und frag das Buchenholz, ob es überhaupt mitkommen und geschnitzt werden will oder lieber als Lebensgrundlage für andere im Wald bleibt!

    ps 2
    Holztechnisch darf im Schweizer Wald aufgesammelt und mitgenommen werden, was herum liegt und von einem Menschen getragen (nicht gefahren. Nix mit Wägeli oder so *g*) werden kann. Es darf nichts geschnitten und schon gar nicht gefällt werden.

  7. Danke für Deine ausführlichen Darstellungen, Elli. Das mit dem Totholz ist mir persönlich weitgehend bekannt. Das mit der Schneise wusste ich nicht. Ich nerve mich – und ich hoffe das kam durch meine Beiträge durch – besonders daran, dass eben so viele alte Riesen fallen…

    Thx

  8. Zitronenmelisse ist ein einheimisches Kraut, das – wie der Name schon vermuten lässt – stark nach Zitrone riecht. Ich mach damit v.a. Tee. Man kann es aber auch in der Küche einsetzen und als Heilkraut ist es schon ewig bekannt. Nebst anderem, soll es v.a. gegen Schlafprobleme und nervöse Störungen helfen.
    Dummerweise wird da öfter in der alternativen Heilszene Zeugs verkauft, das mit “Melissenöl” angeschrieben ist, aber gar keine Melisse drin hat, sondern andere zitronenduftige, aber weniger heilförderlicher Mixturen.
    Genaugenommen, darfst du im Handel keine Creme oder Öl oder sowas kaufen, wo Melissenöl drauf steht, weil es ziemlich sicher eine Fälschung ist.
    Für einen Liter Melissenöl brauchts nämlich um die 7 kg Pflanzen und am Ende kommt das dann so raus, dass ein einziger Milliliter davon ca. dreissig Franken kostet. Darum gibts so viele Fälschungen.

    Umso schöner, wenn ich selbst Zitronenmelisse finde auf einer Schneise im Wald. Dann muss ich mir keine Sorgen mehr um Fälschungen machen 🙂

    *busserl*
    Elli

    🙂

  9. Wusstest du, dass Zitronenmelisse auf Schwedisch “Hjärtans Fröid” heisst, was soviel wie “Herztrost” heisst? Es gibt sogar ein Volkslied darüber, das ich auf schwedisch singen kann…Ironie ist eine tolle Eigenschaft, vor allem, wenn man sie teilt…Fragst du eigentlich die Melisse, ob sie von dir gepflückt werden will? Und wo kann man Zitronenmelissisch lernen? Spass beiseite: Ich finde Schneisen und Totholzflächen ja gut und recht, aber bitteschön nicht mit jahrhunderte alten Bäumen. So, das waren meine Fufzigrappe dazu. *Knuff an Elli, du bist klasse*

  10. Wow, was man da nicht alles lernt! Totholz für Tiere, auf Schneisen wachsen Kräuter und das Abholzen hat also wirklich einen Sinn (also damit meine ich nicht das Abholzen des Regenwaldes, ich glaube dafür gibt es keine Erklärung). Wusste ich alles gar nicht. Na dann, werd ich wohl in Zukunft mehr Verständnis zeigen, wenn ein Baum gefällt wird oder Wälder gesäubert werden. Aber wahrscheinlich bleibt das Gefühlt einen ‘Mord’ mitanzusehen.

    Auf der anderen Seite liebe ich Holzartikel. Schon ein bisschen schizophren … Aber das ist so manches. Ich stimme Elli zu, lieber Holz al Öl!