Die Videogame-Gewalt ist schuld! Oder???

20050605-01

Anlässlich des Amoklaufes in Deutschland, ist sie wieder entbrannt, die Diskussion um Gewalt in Videospielen und prompt will die deutsche grosse Koalition gewalttätige Spiele in Deutschland verbieten. Gut, ich gestehe das mich so manche Gewalt in Spielen ebenso massiv abstösst. Ich verachte jene Games in denen man wehrlose Menschen abknallt, Krieg imitiert, kriminelle Vorbilder spielt und wo die Gewalt selbst nur mehr dem Entertainment dient und nicht der Dramaturgie. Aber der Hype der nun wieder um dieses Thema gemacht wird ist doch nur eine billige Farce der Politiker, die auf diesem Weg wieder einmal davon ablenken, dass sie und die moderne Gesellschaft es sind, die auf jeder Ebene versagen…

Denn es sind nicht die "negativen Vorbilder" der Videospiele, es sind die herangezüchtete Dummheit mittels kommerzieller Übersättigung, die mangelnde Vermittlung von positiven, konstruktiven und lebensbejahenden Werten und die "null Bock" Mentalität vieler meist überforderter Eltern die diese Entwicklungen fördern.

Und es kommt den Regierenden ja eigentlich so gelegen, was da passiert ist. So kann man davon ablenken, dass das Schulsystem versagt und hauptsächlich den Privilegierten eine gute und interessante Ausbildung bietet. Dass langsam und stetig – ob absichtlich oder durch politische Unfähigkeit lass ich mal dahingestellt – eine Zweiklassengesellschaft eingeführt wird und das eben eigentlich sie, die Verantwortlichen, versagen. Aber natürlich sind es die bösen Videospiele die nun für all das Schlechte und die Gewalt in der Gesellschaft herhalten müssen. So etwas von sackpeinlich, die Offensichtlichkeit dieser Ablenkung.

Leute, ich sag Euch eines: wenn Ihr Eure Kids wieder mehr lieben und mehr an ihrem Leben teilhaben würdet, wenn Euch, ihr lieben Regierenden, die Menschen wirklich wieder etwas wert wären und sie nicht nur als Melkkühe für den Lebensstil der Reichen und den Euren herhalten müssten, ihnen Perspektiven vermittelt würden (ausserhalb davon ein strunzdoofer Popstar oder ein noch dooferes "Next Topmodel" zu werden) und Menschlichkeit ein thematisierter und von Euch vorgelebter Wert wäre. Wenn Ihr den Kids und ihren Bedürfnissen von Grund auf entgegen kommen würdet und sie fördert, ihr Toleranz, Liebe, Lebensfreude und Zukunftsperspektiven vermittelt anstatt sie bewusst zu verdummen weils bequemer ist: sie würden solche Schxxxx-Spiele gar nicht gamen. Sie hätten keine Lust, Gemetzel auf der Mattscheibe zu veranstalten und würden etwaige Agressionen die zum Menschsein dazugehören mit beispielsweise körperlicher Betätigung und Wettkampf abbauen anstatt sich virtuell oder auf dem Schulhof die Fresse einzuhauen oder die Köpfe wegzublasen. Ein menschliches Leben hätte wieder wert und Feindbilder hätten es schwerer.

Was da passiert ist nicht die Schuld der Videospiele: es ist mit Eure Schuld!

Der Erfolg solcher Games ist nur eine logische und traurige Konsequenz. Und die damit eingehende sinkende Gewaltschwelle eine Folgeerscheinung. Als Kriegsgames sehr erfolgreich auf den kommerziellen(!) Markt kamen (und weiterhin kommen), die von den Militärs USA benutzt werden um eben die Hemmschwelle ihrer Soldaten herabzusetzen führte nur zu kleinen Protesten in den Medien und wurde fast totgeschwiegen. Die Spiele aber werden gehypet und gegamet. Nun aber herrscht wieder Aufruhr sondergleichen und regierungskonforme Psychologen und Experten müllen die Nachrichten mit ihrer unkritischen und einseitigen Meinung zu. Peinlich, was gestern in den Nachrichten für tunnelblickende Visagen als Sprachrohr der Politiker zum Kampf gegen die Videogames aufriefen.

Ich mag sie eben auch nicht, diese Spiele, aber das es sie überhaupt gibt habt ihr Euch selbst zuzuschreiben. Und wenn ihr sie nun verbieten solltet, dann bitte Gangsta-Rap und so manche hassverbreitende Musiker grad mit, und dann dies, und dann jenes…..und zum Schluss verbrennen wir Bücher. Verbietet das Zeug nicht, sondern sorgt dafür, dass wir wieder eine lebenswerte Gesellschaftsstruktur erhalten! Dann legt sich der Boom von selbst und es würde kein oder wenig Bedarf mehr an diesen Dingen herrschen. Der Markt wäre schnell ausgetrocknet. So aber ist jede Aufregung heuchlerisch und ein Ablenkungsmanöver.

Achja, und an die Medien: Jetzt tut ihr wieder so unschuldig und natürlich schwimmt ihr mit auf der Anti-Welle. Das bis vor kurzen aber jedes neue "Hammer"-Kriegsspiel oder Gangster-Epos das für die neue Konsolengeneration rauskam als Beispiel für diese offiziell in den Nachrichten vor allem der Privatsender sogar einige "Werbe"minuten sowie sehr positive Reviews erhielten, und hochgelobt wurden geht da schnell vergessen, gell? So schnell dreht der Wind heutzutage…echt traurig!

Fazit: Gewalttätige Videospiele sind Müll, aber das es sie überhaupt gibt und sie so populär sind ist auf andere Gründe zurückzuführen. Und dass Menschen überhaupt Amok laufen, tja auch das kann und darf man nicht allein auf ein Videogame schieben. Da liegen die Gründe tiefer!

5 Antworten auf „Die Videogame-Gewalt ist schuld! Oder???“

  1. Mal abgesehen davon, dass ich gern Diablo und Sacred spiele *g* kann ich hier jedes Wort voll unterschreiben. Ich versteh den Jungen, der da ausgerastet ist. Sein Abschiedsbrief sprach Bände. Er fand keine lebenswerten Werte in der Gesellschaft. Wenn man in dem Alter dann auch keine positiven Wurzeln in der Familie oder sonstwo hat, kann sowas passieren. Ich bin ja meinerzeit ja selbst sozusagen Amok gelaufen. Auch wenn ich nur die Wirtschaft und niemals einzelne Menschen geschädigt habe. Mit den einzelnen Angeschossenen und sonst Betroffenen seines Ausfalls verspüre ich ein wenig Mitgefühl. Das hält sich aber in Grenzen. Viel grösser ist meine Trauer über eine Gesellschaft, die derart verkommen ist, dass sowas immer öfter vorkommt. Jetzt fällt mir wieder mein Lieblingswitz ein. "Was ist der Unterschied zwischen einem Politiker und einem Telefon?" "Das Telefon darf man aufhängen, wenn man sich verwählt hat." Tja… Irgendetwas sagt mir, dass dies nicht der letzte solche Fall war.

  2. Hallo Dreamy, Du schreibst mir da aus dem Herzen… Heute habe ich mal so für mich überlegt, wie weit ich wohl in unserem *kranken Hause* mit einer Uzzi und ca. 3000 Schuss Munition und so sagen wir 10 Handgranaten kommen würde… Eine Stationsschwester meinte: Och, mehr als eine halbe Stunde bestimmt, denn es dauert auch mal länger, bis die *Grün-Weissen* da wären… Dies wäre ein *Flurschaden* ohne ende… Bis zum eintreffen des SEK und noch weiter… 🙁 Da habe ich diesen Gedanken lieber nicht weiter gesponnen, da müssen keine neuen Gesetze her, oder eine *Mega-Securitiy*, sondern mehr *Liebe*… Die wäre denn auch in meinem Sinne, kümmere ich mich im Ehrenamt um Jugendliche… In Liebe Eli 🙂

  3. Hey Dreamy, ja auch ich kann dir voll und ganz zustimmen"leider". ja und ich erlebe das fast täglich bei den kids. habe ja selber 3 stück die zur schule gehen. und ehrlich es ist für sie auch nicht einfach und sie sind schon eher in einer aussenseiter position weil sie nicht so sind wie viele andere. ich steure dagegen das ich nicht arbeiten gehe ausser haus. und da bin für meine kids. wir gehen viel in die natur und powern uns da aus. aber auch kenne ich das mobbing das in firmen herscht. durch meinen mann der zum teil grob gemobt wird. von mir aus kann er jederzeit dort gehen was er auch weiss. irgendwie geht es immer weiter.ja und die herren politiker suchen krampfhaft nach einer lösung für das problem mit den amokläufern aber sehen nicht das es an ihnen liegt. ich wünsche mir nur nicht so zu werden und genug kraft zu haben es so weiter zu leben wie bisher. Liebe Grüsse Bea 

  4. Hmm, mein erster geschriebener Kommentar wurde einfach nicht übernommen – dann nochmals von vorne. ……….. Lieber Dreamdancer, ganz toll geschrieben, spürbar, dass es Dich berührt! Deine Worte haben mich dazu bewegt mir zu überlegen und hin zu fühlen, wo dieser junge Mann für mich – und uns alle – steht und ebenso die Politiker? Wo spiegelt mir der junge Mann meine eigene Unsicherheit, Angst und Unfähgkeit mit der Welt? Der fehlende Mut oder der Stolz, mir Hilfe und Unterstützung zu holen? Fehlende Wärme, Verständnis und Menschlichkeit, so dass daraus Verzweiflung, Wut und Hass entstehen, aber nur ein Schrei nach Liebe und Geborgenheit sind? Politiker die Reden, wie aber Handle ich selbst? Wie sehr betrifft mich das alles selbst als Einzelseele im Spiegel der Kollektivseele? Wo habe ich selbst Gewalt in mir, bin vielleicht gar süchtig danach, auch wenn sie sich nicht in offener Gewalt äussert? Mehr MENSCHLICHKEIT, ja das ist es, aber wie verdrägt sich das mit der Gewalt die ich am Fernseher konsumiere – und somit unterstütze -, Gewalt in Romanen, Games, Fantasien? Was tue ich mir dabei selbst immer wieder an Gewalt an, da ich mir und meinem energetischen und körperlichen System das zumute? Wie ist diese Art Gewalt vereinbar mit mehr Menschlichkeit, zuerst mir selbst gegenüber und dann gegen aussen? Unterstütze ich mit diesen Formen der Gewalt die Anhäufung von energetischer und feinstofflicher Gewalt, die sich dann irgendwo und irgendwann durch mich oder jemand anderen entladen muss? ……… Danke für Deinen anregenden Text und Deine Worte Dreamdancer, die mich sehr nachdenklich gestimmt haben und noch mehr Fragen aufwerfen. *Silberwolf*